10.01.2024
Benjamin Pühl

FRISCH & KNACKIG

DIE JUGENDWöRTER DER ZUKUNFT

Smash, Babo, YOLO – jedes Jahr wird das Jugendwort des Jahres gewählt. Doch die meisten haben vorher noch nie etwas davon gehört. Wir ändern das und liefern euch schon heute die Jugendwörter von morgen

Es ist 20:15 Uhr, im Ersten läuft die Tagesschau. Krise reiht sich an Krise, Schreckensmeldung an Hiobsbotschaft. So weit, so bekannt. Gleich kommt der Sport, dann das Wetter – Klappe zu, Affe tot. Doch an einem Tag im Jahr gibt es diesen einen Moment, in dem alles aus den Fugen gerät und sich ein Riss im Kontinuum des sonst so seriösen Ablaufs auftut. Dann schlägt die große Stunde von Susanne Daubner, in der sie plötzlich zum transzendenten Medium aller Generationen wird, zum Bindeglied zwischen Jung und Alt: Sie verliest die Kandidaten für das Jugendwort des Jahres.

In deutschen Wohnzimmern macht sich eine Lagerfeuerstimmung breit, wie man sie sonst nur bei „Wetten dass…?“ kennt. Nur macht sich Susanne Daubner keine Gedanken darüber, was sie sagen darf und was nicht. Denn jetzt ist Deep Dive in die Linguistik von TikTok, Let’s Plays und anderen multimedialen Sprachrohren angesagt. Wie reden die Teens, Tweens und Zoomers von heute?

Wo vor 15 Jahren noch Vokabeln wie „Achselmoped“ (Deoroller) oder „Gammelfleischparty“ (Ü-30 Party) fielen, feiern seit 2012 fast ausschließlich Anglizismen ihren Siegeszug. „Smash“, „cringe“ und „goofy“ sind die Spitzenreiter der letzten Jahre. Das eigentliche Problem ist aber nicht, dass die deutsche Sprache nur noch die Rücklichter sieht, sondern dass der Moment, in dem die Jugendwörter vorgelesen werden, meist der erste ist, in dem man sie zum ersten Mal hört. Das ist eine Entwicklung, die wir nicht gutheißen können.

Deshalb bieten wir jetzt einen einzigartigen Service an: Wir machen Jugendwörter groß, bevor Susanne Daubner sie in der Tagesschau vorliest. Wir überholen also den Langenscheidt rechts und versorgen euch schon jetzt mit den Jugendwörtern der nächsten Jahre. Damit ihr nicht lost wie NPCs durch sprachliches Neuland irren müsst. Also Tablets raus, Hashtags bereit und Future-Mode an:

1. YODO

Alle kennen den Begriff YOLO (You only live once), der es bereits zweimal auf die Spitzenplätze der Jugendwörter geschafft hat. Man lebt nur einmal, riskiere es, the sky is the limit. Aber nächstes Jahr werden kleinere Brötchen gebacken. Und so wie Mario seinen Widersacher Wario hat, wird dieses Jahr sein Pendant zum Zuge kommen.

YODO – You only die once. Absage, wenn man aus Sorge etwas nicht machen will

  1. „Hey, kommst du morgen mit zum Fallschirmspringen?“
  2. „Alter, YODO. Gar kein Bock, viel zu gefährlich.“

2. steif

Wenn etwas als außergewöhnlich positiv und überzeugend bewertet wird, wird bisher in vielen Situationen mit mallorquinischer Inbrunst der Begriff „geil!“ verwendet. Alles ist geil, geil, geil. Aber wie das so ist, irgendwann ist auch beim langlebigsten Gassenhauer der Lack ab. Und da kommt, mit ähnlich verquerer sexueller Konnotation, der Nachfolger ins Spiel:

steif – absolut überzeugend, super, klasse, prima, toll

„Mega steif!“ ; „Voll steif, wie du abgehst!“ ; „So ein steifer Bock!“

3. Care-toffel

Jede:r kennt sie: die Person, die sich aus nichts heraushalten kann und sich mit leicht aufdringlichen Tendenzen, aber gutem Willen ständig einmischt. Denn sie meint es ja nur gut. In bademeisterlicher Zurechtweisung muss dieser Person dann meist mit Nachdruck klargemacht werden, dass sie sich bitte raushalten soll. Nun gibt es endlich einen Begriff für diese Person.

Care-toffel – Person, die sich zu stark und übergriffig kümmert

  1. „Schau mal, wenn du das so machst und hier dann noch… Soll ich kurz?“
  2. „Finger weg, du Care-toffel!“

4. ip

Anglizismen dominieren seit Jahren die Jugendsprache. Ob cool, fly, pass oder smash. It’s always English, my dear! Das muss sich ändern. Mit Liberté, Egalité und Fraternité: Zeit für Gallizismen.

ip – französische Aussprache des Wortes „hip“, etwas schick oder schön finden

„Oh lala, sehr ip, deine neue Baskenmütze!“

5. jeal

Ganz ohne Anglizismen geht es aber auch nicht. Englische Begriffe werden auch gerne verwendet, um ein Gefühl oder eine Stimmung kurz und prägnant auf den Punkt zu bringen. In dieser Tradition und weil: „Mensch, da bin ich aber neidisch!“ etwas unbeholfen klingt, hier der nächste Kandidat:

jeal – Kurzform von „jealous“, Ausruf des Neides, jedoch ohne Missgunst, neidisch sein und gleichzeitig gönnen können

„Boah, deine Jacke ist richtig steif! Jeal!“

6. Schilf-Eugen

Dieses Jugendwort wird wahrscheinlich in ferner Zukunft eine große Rolle spielen. Infolge des Klimawandels und des raschen Anstiegs des Meeresspiegels werden in der Folge viele tiefliegende Gebiete überflutet. Dies wird unter anderem zur großflächigen Bildung von Schilfen führen. Im Zuge der Anpassung an die neuen Lebensbedingungen rückt Schilf immer mehr in den Mittelpunkt des menschlichen Lebens. Schilf wird als neuer Rohstoff, als Baumaterial oder auch als Nahrungsmittel stärker in den Fokus des menschlichen Lebens rücken. Ergo auch im Sprachgebrauch. So werden auch in Zukunft viele Begriffe mit dem Präfix „Schilf-“ gebildet werden. Wie hier im Beispiel zu sehen.

Schilf-Eugen – jmd. der einen ständig anglotzt oder beobachtet, meist im Schutze von Schilfen

„Was guckst du mich so an wie so ein Schilf-Eugen?! Schwimm weiter!“

Nun könnt ihr auch in den nächsten Jahren die Jugendwörter des Jahres selbstbewusst und fehlerfrei mitsprechen, wenn sie von Susanne Daubner vorgelesen werden, und seid auch in Zukunft am Puls der Zeit.

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