02.05.2018
Susanne Scheer

FRISCH & KNACKIG

EIN RUCKSACK GEHT UM

„Der schwedische Rucksackklassiker von 1978“ – so bewirbt die Outdoormarke Fjällräven ihr Erfolgsmodell Kånken. Damals bestand die Aufgabe des Tornisters darin, schwedische Schulkinder vor Haltungsschäden zu bewahren. Mittlerweile hat er sich aber auf die Rücken ganz anderer Zielgruppen geschwungen.

 

Dank des großen Markenlogos mit dem zusammengerollten Polarfuchs ist der Kånken schon von weitem zu erkennen. Seit 35 Jahren gibt es ihn in unverändertem Design, lediglich neue Farben sind dazugekommen. Zusätzlich ist er als Re-Kånken erhältlich und besteht dann aus recycelten Plastikflaschen. Oder, etwas wertiger, als Kånken No. 2 mit Tragegriffen und Details aus Leder.

Der Blick auf den Kånken zeigt, dass Trends regional sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. So ist das Teil im Hamburger Schanzen-Viertel ein gefragter „Mama-Rucksack“, in dem sich trefflich Wickelzeug für den Nachwuchs transportieren lässt. Im 1. Wiener Bezirk dagegen sind es vor allem Schülerinnen und junge Frauen um die Zwanzig, die den Kånken über die Flohmärkte der Stadt tragen.

Was macht ein Accessoire begehrenswert, wenn nicht seine Limitation? Diese ist im Fall des zweckentfremdeten Schulranzens ausschließlich über den Preis gesteuert. Üppige 80 Euro muss man für ihn berappen, für manche Modelle sogar das Doppelte. Denn verfügbar ist er flächendeckend: Kånken hängen mittlerweile in jedem Urban Outfitters, genauso wie in X-beliebigen Geschäften für Streetwear. Auch auf Amazon leiden Kaufwillige keinen Mangel. Und auf kanken.de hat der Hersteller sogar eine ganze Produktwelt um sein Vinylon-Lasteselchen herumgebaut.

Genauso rasch wie das Anlaufen der Vermarktungsmaschinerie ist der Modetrend in den Mainstream umgeschlagen: In besonders hippen Vierteln, so liest man, ist der Distinktionsgewinn des angesagten Rucksacks dahin – und der Kånken schon wieder „out“.

Auf ein „out“ folgt bekanntlich das Outing: Ich bin selbst stolze Besitzerin eines Kånken.

Zum Weiterlesen:
Auf dem Rücken der Frauen – „Zeit“-Artikel von Jarka Kubsova

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