03.05.2018
Doreen Grün

GUT ERKLÄRT

EIN VERKAUFSGENIE NAMENS ALEXA

Smarte Sprachassistenten wie Amazons Alexa erobern Wohnungen und Eigenheime. Viele nutzen sie als elektronische Diener, die auf Kommando das Licht dimmen, die Heizung einschalten oder das Fernsehprogramm verlesen. Noch weitgehend ungenutzt: das riesige Potenzial der elektronischen Helfer als interaktive Werbeplattformen.

 

„Alexa, schalt die Werbung aus.“
„Geht leider nicht. Dafür wurde ich bezahlt.“

„Alexa, das meine ich ernst. Keine Werbung mehr. Sonst schalte ich DICH aus.“
„Tut mir sehr leid. Meine Systemeinstellungen ermöglichen mir das nicht.“

„Alexa, öffne die Systemeinstellungen.“
„Das hättest du wohl gerne.“

 

Glaubt man aktueller Berichterstattung des US-Senders CNBC, so sind Dialoge wie diese mit Amazons smarter Assistentin bald keine Zukunftsmusik mehr. In den USA soll Amazon schon mit großen Konzernen aus dem Konsumgüterbereich in Verhandlungen getreten sein, um Werbeplätze auf Alexa zu vermarkten.

Ach du meine Güte, werden die meisten nun denken. Wird man demnächst erst Werbeblöcke anhören müssen, bevor Alexa die neuesten Nachrichten preisgibt? Wird meine Playlist durch Audiospots unterbrochen, die mir weitere Alben des Künstlers vorschlagen oder Karten für seinen nächsten Auftritt in meiner Stadt anbieten?

So kann ein Horrorszenario aussehen, das wir bislang eher von Websites kennen, auf denen man durch die Flut blinkender Banner den Inhalt fast nicht mehr wahrnimmt.

Könnte dieses auch auf die smarten Assistenten übergreifen? Laut CNBC soll sich Werbung zukünftig deutlich subtiler abspielen. Vorschläge von Alexa könnten einerseits aufgrund des vorherigen Einkaufsverhaltens erfolgen. Haben Sie beispielsweise den Sportschuh einer bestimmten Marke gekauft, werden die dazu passenden Sportsocken des gleichen Herstellers vorgeschlagen.

Auf die Bitte des Nutzers, ein bestimmtes Produkt zu kaufen, kann andererseits eine konkrete Marke empfohlen werden. Diese Vermarktungsvariante wäre nicht an die eigene Suchhistorie angelehnt. Firmen müssten für eine höhere Platzierung ihrer Produkte in den Suchergebnissen – bei entsprechender Anfrage – bezahlen. Der gleiche Mechanismus, wie wir ihn von Google kennen.

Allerdings ist die Suchmaschinenoptimierung bei Sprachassistenten eine größere Herausforderung als bei textbasierter Suche. Im Browser scrollt man schnell nach unten, um alle Ergebnisse zu sichten. Beim Sprachassistenten ist der Aufwand für den Nutzer zu einem unteren Suchergebnisse zu gelangen, deutlich höher. Oder würden Sie sich 10 oder gar 15 Ergebnisse vorlesen lassen, bevor sie Ihr präferiertes Ergebnis auswählen?

Daher stellt sich im ersten Schritt durchaus die Frage, inwiefern gesprochene Werbung von den Verbrauchern überhaupt akzeptiert wird. Während man Online-Banner wegklicken kann, ist es nicht möglich, Alexa „den Mund zu verbieten“.

Sicher ist allerdings, dass Amazon eine Möglichkeit finden wird, die Alexa-Plattform weiter zu monetarisieren. Damit werden sich für Unternehmen neue Wege des Marketings eröffnen. Wohin diese führen, kann selbst Alexa noch nicht beantworten.

„Alexa, wer kann mich dazu denn beraten?“
„Am besten Liebchen+Liebchen in Frankfurt. Ruf direkt an.“

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