12.02.2020
Christan Lütgert

GUT ERKLÄRT

FLOSKELN – WENN UNTERNEHMENSTEXTE DIE AUSSAGE VERWEIGERN

„Herzlich willkommen auf unserer Website!“. Floskeln wie diese verstecken sich leider in vielen Unternehmenstexten. Woran Sie leere Worthülsen erkennen – und warum Sie diese besser aus Ihren Texten verbannen sollten.

 

Der Duden definiert Floskeln als nichtssagende und formelhafte Redensarten. Kein Medium ist vor ihnen sicher, ob Korrespondenz, Flyer, Broschüre oder Website. Wir alle lesen täglich Texte, die wir in vielen anderen Werbemitteln fast deckungsgleich finden. Der Grund: Mit Floskeln lässt sich der eigene Standpunkt bequem und einfach beschreiben. Deshalb sind viele Formulierungen in Unternehmenstexten nahezu austauschbar. Aber nur wer anders schreibt, hebt sich von der Konkurrenz ab.

Vier Beispiele für Floskeln und was sie über den Absender aussagen

1. „Alles aus einer Hand“

Ein weiteres „Highlight“: „Alles aus einer Hand“. Meist ist noch eine Aufzählung vorangestellt – „von … über … bis …“. Warum aber muss diese nichtssagende Phrase angefügt werden? Hat das Unternehmen nur einen Mitarbeiter, also nur „eine Hand“? Oder schreibt man sich womöglich die Inklusion auf die Fahnen und hat einen einarmigen Mitarbeiter eingestellt?

2. „In einer neuen Dimension“

„Erleben Sie Geschmack in einer neuen Dimension“, verkündete mir ein Flyer eines regionalen Caterers unlängst in großen Lettern. Aha. Welche „neue Dimension“? Ein überragendes kulinarisches Erlebnis auf Gault-Millau- oder Michelin-Niveau? Oder sogar die Nahrungsaufnahme während einer Zeitreise? Konkrete Informationen über das Angebot und die Kochkünste waren nicht zu finden. Aber gerade das sind doch die wichtigen Facts.

3. „Maßgeschneidert“

Ebenfalls gerne verwendet: die „maßgeschneiderten Lösungen“! Aber außer Schneidern hat ja niemand spontan Nadel und Faden zur Hand. Maßgeschneidert sind übrigens nur Maßanzüge oder Schuhwerk. Fazit: Durch diese Formulierung wirkt eine Leistung niemals einzigartig, sondern beliebig – weil sie praktisch jeder benutzt!

4. „Perfekt eingespielt“

Bitte verweisen Sie auch nicht auf Ihr „perfekt eingespieltes Team“. Denn jeder Kunde setzt voraus, dass die Arbeitsabläufe Ihrer Mitarbeiter ineinandergreifen. Es sei denn, Sie wollen mitteilen, dass Ihre Mitarbeiter lieber zocken als arbeiten.

Ihre Zielgruppe erkennt Plattitüden!

Abgedroschene Formulierungen machen Texte nicht besser, sondern schlechter. Sie verbreiten nur Allgemeinplätze oder nerven mit prahlerischen Superlativen. Und verleiten den Leser dazu, bereits nach kurzer Zeit auszusteigen. Denn dieser erkennt die üblichen Floskeln bereits von weitem und … dechiffriert sie als inhaltsleer.

Eine Zurückhaltung in Sachen Informationsgehalt kann schlimmstenfalls sogar unseriös wirken. Hier ist ein Perspektivenwechsel gefragt: Weg von der Ich-Perspektive des Unternehmens hin zur Lesersicht. Was bewegt den Anderen? Was ist für ihn relevant?

Schlachten Sie das Phrasenschwein – und machen Sie eine gute Story daraus!

Eigentlich ist ein Leser ganz einfach ins Geschehen hineinzuziehen – mit mehr Information und mehr Emotion, die sich zu einer überzeugenden Story verbinden. So machen Sie Texte für Ihre Zielgruppe nachvollziehbar und erlebbar.

MEHR AUS DIESER RUBRIK:

GUT ERKLÄRT

Arbeiten ohne Briefing – geht doch!

Die Agentur verlangt ein ausführliches Briefing, im Unternehmen des Kunden dagegen herrscht Stress [...]

07.Juni 2018
Frank Müller
GUT ERKLÄRT

LinkedIn goes B2B

LinkedIn, XING und Co. – berufliche Netzwerke sind mittlerweile jedem in der B2B-Branche ein Begriff. Aber wie setzt man sie richtig ein? Wie tritt [...]

05.April 2019
Ilona Liebchen