17.05.2018
Liebchen+Liebchen

GUT ERKLÄRT

„ICH BIN DOCH NICHT öD!“

Jeder kennt die lustigen Spots, bunten Bilder und markigen Sprüche aus der Werbung. Doch wie ist es, in einer Werbeagentur zu arbeiten? Ronja Ziegelbauer hat für „Campus LIVE“ die Frankfurter Agentur Liebchen+Liebchen besucht und einen Blick hinter die Kulissen geworfen. Gesprochen hat sie mit Frank Müller aus der Geschäftsführung.

 

Viele haben eine ungefähre Vorstellung von der Arbeit in einer Werbeagentur, aber was tun Sie konkret?
Ich könnte jetzt viele Disziplinen aufzählen, in denen wir für unsere Kunden tätig sind. Meistens geht es darum, Produkte und Leistungen von Marken crossmedial auf unterschiedlichen Kanälen zu verbreiten: Offline, Online, Mobile. Unsere Aufgabe ist es, das Konzert der Kommunikationsmaßnahmen zu inszenieren. Aber auch die Marken selbst stehen unter Veränderungsdruck und müssen sich permanent weiterentwickeln. Manchmal möchten sich Marken eine neue Identität geben, oder wir entwickeln für neue Marken eine Corporate Identity. Da geht es viel um Beratung und Strategie.
 
Welche Kunden betreuen Sie? Gibt es welche, die jeder kennt?
Ja, sicher. Zum Beispiel Lufthansa Systems, Evonik, PricewaterhouseCoopers, DEVK, mehrere Fonds der Deutschen Bank. Wir legen unseren Fokus auf IT, Aviation, Chemie, Versicherungen, Finanzen, Immobilien. Aber das ist kein starres Korsett! Ein Großteil unseres Know-hows lässt sich auf andere Branchen übertragen.

Wie vermarkten Sie sich selbst? Betreiben Sie Eigenwerbung?
Ja, sogar sehr intensiv. In erster Linie bemühen wir uns um eine gute Sichtbarkeit im Web. Wir wollen, dass wir mit unseren Angeboten schnell gefunden werden – am besten gleich auf der ersten Seite der Google-Ergebnisse. Das bedeutet permanente Optimierungen, denn der Google-Algorithmus ändert sich ja andauernd. Und der Wettbewerb schläft nicht. Unser Ranking sagt mehr als 1.000 Worte: Machen Sie doch mal den Test und geben Sie bei Google die Keywords „Werbeagentur“ und „Frankfurt“ ein.

Ihre Agentur hat den Claim „Agentur ohne Allüren“. Was ist damit gemeint?
Wer kreativ ist, muss sich stark mit seiner Arbeit identifizieren. Die ständige Suche nach Neuem kann auch etwas Berauschendes haben. Frei nach dem Motto: Ich bin doch nicht öd! Doch Kreativität ist kein Selbstzweck. Eine Lösung ist nur dann gut, wenn sie ihre kommunikative Funktion optimal erfüllt. Wie beim Bogenschießen geht es nicht darum, mal ein paar Pfeile ins Blaue zu schießen. Sondern darum, exakt ins Schwarze zu treffen. Das funktioniert nur, wenn man sein kreatives Ethos nicht über alles andere stellt. Wir hören unseren Kunden sehr genau zu, beraten bedarfsgerecht und arbeiten auch im Umsetzungsprozess eng mit ihnen zusammen.

Frank Müller & Ronja Ziegelbauer

Auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen liest man, dass die Arbeit und die Atmosphäre in Ihrer Agentur als sehr positiv wahrgenommen wird. Worauf führen Sie das zurück?
Die Spatzen pfeifen es ja von den Dächern: Der Markt hat sich von einem Arbeitgeber- zu einem Arbeitnehmermarkt gewandelt. Mitarbeiter erwarten heute viel mehr als nur ein gutes Gehalt und viele Urlaubstage. Sie wollen ihre Arbeit als sinnvoll erleben, sich weiterbilden und suchen den Ausgleich zwischen Job und Privatleben. Elternzeit und Teilzeit, flexible Arbeitszeiten, Home-Office und Empathie, wenn das Kind mal wieder krank ist – das alles ist heute selbstverständlich. Offenbar gelingt es uns ganz gut, diese Bedürfnisse zu erfüllen.

Welche Jobs findet man typischerweise in Ihrer Agentur?
Marken-Strategen, Konzeptioner, Grafik-Designer, Web-Designer, Mediengestalter, Illustratoren, Fotografen, Texter, Journalisten, Media-Spezialisten, Kundenberater. Das Spektrum ist breit gefächert.

Ende letzten Jahres haben Sie neue, helle Räumlichkeiten im Fechenheimer Industriegebiet bezogen. Viele Räume sind kreativ gestaltet. Wie ist das Konzept dazu entstanden?
Der Arbeitsplatz sollte ein Lebens- und Wohlfühlort sein. Er muss inspirierende Ecken bieten, Rückzugsmöglichkeiten, Versammlungsorte, die sich deutlich von einem kühlen Konferenzzimmer unterscheiden. Bei alldem muss er eine Arbeitsumgebung bieten, die so ergonomisch wie möglich ist. Kreativität kann man nicht erzwingen, aber man kann sie durch das richtige Umfeld anregen. Für uns war es deshalb wichtig, unsere Kolleg/innen an der Gestaltung der Räumlichkeiten zu beteiligen. Und das haben wir getan: In gemeinsamen Workshops haben wir Ideen entwickelt und unsere Räume so gestaltet, dass wir gerne in ihnen arbeiten.

Würden Sie Studenten Praktikumsplätze anbieten?
Unsere gesellschaftliche Verantwortung in diesem Bereich nehmen wir sehr ernst. In diesem Jahr arbeiten sieben Auszubildende in den Bereichen Mediengestaltung, Print, Digital und Kaufleute für Marketingkommunikation bei uns. Gute Leute übernehmen wir in ein festes Arbeitsverhältnis. Praktika können eine Orientierung für die Berufswahl bieten. Die Antwort lautet also ja. Diejenigen, die zu uns kommen, sollen von ihrem Praktikum maximal profitieren. Das geht nur mit einer guten und intensiven Betreuung – nicht mit einer großen Zahl an Praktikanten, die Kaffee kochen, den Knopf am Fotokopierer drücken und ansonsten die Zeit totschlagen.

Welche Ziele möchten Sie mit der Agentur erreichen?
Wir sind auf Wachstumskurs, und wir möchten weiter wachsen. Ich persönlich finde es spannend, wie die Digitalisierung die Märkte verändert. Das hat direkte Auswirkungen auf die Kommunikation, allein schon durch die veränderten Wahrnehmungsgewohnheiten. Einer der Bereiche, die sich stark entwickeln, ist das Social Media Marketing im Bereich B2B. Viele Unternehmen und Professionals erkennen den Nutzen von LinkedIn, XING, Facebook & Co. Aber wir begleiten digitale Veränderungen und Lösungen von Unternehmen nicht nur kommunikativ, sondern finden uns manchmal auch in der Rolle derer wieder, die diese Lösungen selbst konzipieren und teilweise auch realisieren. Da sehe ich viele interessante Aufgaben auf uns zukommen.

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