09.01.2020
Liebchen+Liebchen

GUT ERKLÄRT

MIT INTERAKTIVEN PRäSENTATIONEN BEGEISTERN – WIE GEHT DAS?

PowerPoint gilt in Unternehmen als das Präsentationsmittel der Wahl. Doch die Möglichkeiten, Ihr Publikum mit einer Präsentation zu begeistern und von den eigenen Leistungen zu überzeugen, sind damit lange noch nicht ausgeschöpft.

 

Microsoft PowerPoint und das Konkurrenzprodukt Apple Keynote sind seitenbasierte Programme, in denen eine Folie auf die nächste folgt. Präsentiert wird linear, von vorne nach hinten, wie bei der Lektüre eines Buchs. Doch im Unterschied zu einem Printmedium, bei dem der Leser seinen Lektürefortschritt vor Augen hat und die Seiten zwischen den Fingern spürt, blicken die Teilnehmer von Meetings und Seminaren immer nur auf eine Folie.

Während einer Präsentation passiert dann das Unvermeidliche: Nach einer kleinen Odyssee durch das bunte Reich der Folien äußert einer der Anwesenden den Wunsch, die am Anfang präsentierte Idee noch einmal zu sehen: „Können wir noch mal zurück zu …?“ Es folgt ein Daumenkino über zwanzig, dreißig Folien hinweg. Große Teile der Präsentation erscheinen noch einmal im Schnelldurchlauf. Nicht selten wird das Gesuchte erst nach wiederholtem Hin- und Herspringen gefunden.

Prezi leitet den Paradigmenwechsel vom linearen Vortrag zur nichtlinearen, interaktiven und dialogorientierten Präsentation ein.

Erlebnisse wie diese wecken den Wunsch nach einer Alternative. Als Anwendung für den Aufbau von nichtlinearen Präsentationen wurde eine zeitlang die Software Prezi gehypt. Mit dem plattformunabhängigen Programm wird auf Basis von HTML5-Technologie eine Art virtuelle Landkarte erstellt. Auf dieser kann man sich per Maus bewegen sowie hinein- und herauszoomen. Objekte wie Textfelder, Bilder oder Filme können vergrößert, verkleinert, gedreht, verschoben und durch Pfade miteinander verbunden werden.

Das freie Navigieren auf der Fläche ermöglicht aber nicht nur ein Mehr an Bewegung. Bei Prezi wird der kontinuierliche Informationsfluss des Senders durchbrochen zugunsten von kollaborativen, dynamischen Dialogen. Der Präsentator wird in die Lage versetzt, auf spontane Wünsche zu reagieren, ohne den kompletten Foliensatz wieder und wieder durchruckeln zu müssen. Die Zuhörer können mitbestimmen, was sie sehen wollen und in welcher Reihenfolge.

Allerdings: Mit Prezi stoßen Sie auch schnell an Grenzen.

Allerdings bringt Prezi auch handfeste Nachteile mit sich. Die Wirkung visueller Effekte verpufft schnell und kann sogar ins Negative umschlagen: „Seasickness by Prezi“ – auf Deutsch „Seekrankheit durch Prezi“ – ist inzwischen zu einem feststehenden Begriff geworden. Er beschreibt die desorientierende Wirkung übertriebener Zoom- und Bewegungseffekte auf den Betrachter.

Weitere Wehrmutstropfen muss der Nutzer aufgrund mangelhafter Branding-Möglichkeiten sowie konzeptioneller und gestalterischer Beschränkungen schlucken. Eine individuelle Präsentation mit einer eigenständigen visuellen Welt, maßgeschneidertem Storytelling und angepassten Effekten lässt sich mit Prezi schwerlich erstellen.

Mit einer individuell konzipierten Präsentation stehen Ihnen alle Möglichkeiten offen.

Stellen Sie sich vor, Sie können mit Ihrer Präsentation eine eigenständige Welt schaffen, in der Sie sich mit Ihrem Publikum frei bewegen. Diese Welt kann die Form eines Hauses haben, einer technischen Anlage, einer Fabrik, einer Stadt, eines Planeten. Sie wird in einem ausgewählten Illustrationsstil visualisiert, ob von Hand gezeichnet oder in Form einer stylishen 3D-Grafik.

Durch die Elemente der Welt – zum Beispiel Gebäude, Stockwerke, technische Geräte, Menschen – navigieren Sie per Maus. Dabei reagieren Sie in Echtzeit auf das Feedback Ihrer Zuhörer: Per Klick öffnen Sie Container mit multimedialen Inhalten: Texte, Grafiken, Animationen, Filme. Auch die Effekte sind individuell angelegt. Trotz hoher Dynamik bleiben dem Publikum wilde Karussellfahrten à la Prezi erspart.

Realisiert werden können solche interaktiven Präsentationen zum Beispiel mit den Software-Programmen HYPE oder Adobe After Effekts. Technisch in HTML5 umgesetzt, läuft die Präsentation in einem Web-Browser genauso wie auf einem stationären Rechner oder Tablet.

Hand aufs Herz: Welches Gesicht wollen Sie zeigen?

Generell sollte die Entscheidung für eine Präsentations-Software immer vom Thema, der Zielgruppe und dem Präsentationsziel abhängen. 

PowerPoint eignet sich, wenn eine Dokumentation erstellt oder faktische Informationen vermittelt werden sollen. Mit einem überschaubaren Mittelaufwand ist hier vieles möglich. Die Stunde einer nichtlinearen, interaktiven und dialogorientierten Präsentation schlägt, wenn Zusammenhänge im Vordergrund stehen, Sie mit Zuhörern ins Gespräch kommen und ihnen dazu unterschiedliche Optionen bieten möchten.

Auch bei einem wichtigen Pitch, in dem das präsentierende Unternehmen mit Innovationsfreude und Kreativität begeistern will, ist eine nichtlineare Präsentation ein guter Weg. Wer so präsentiert, erscheint ambitioniert und unterstreicht zudem seine „digital Fitness“.

Best Practice:

„Aviation Campus“ für Lufthansa Systems

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