31.07.2019
Liebchen+Liebchen

HACH, WIE SCHÖN!

ZWISCHEN MORD UND MARKETING

Im Brotberuf arbeitet Christina Stein im Marketing unseres Kunden Lufthansa Systems. In ihrer Freizeit widmet sie sich Mord und Totschlag. Eine gespaltene Persönlichkeit etwa? Keineswegs – Christina ist eine bekannte Krimiautorin. Wie sie uns fesselt, was ihr im Blut liegt: Im Interview mit Liebchen+Liebchen verweigert sie nie die Aussage.

 

Liebchen+Liebchen: Christina, wie viele Bücher hast du bereits geschrieben?

Christina Stein: Ich habe bisher zwei Bücher veröffentlicht. Zwei weitere Romane erscheinen im Frühjahr und im Herbst 2020. Außerdem habe ich noch einen Roman geschrieben, eine Dystopie.

L+L: Daneben hast du aber noch einen „richtigen“ Beruf …

C.S: Ich arbeite im Corporate Marketing bei Lufthansa Systems und betreue dort einen Fachbereich, der auf Beratung von Airlines spezialisiert ist. Darüber hinaus unterstütze ich die Weiterentwicklung des Corporate Designs – und darf Lufthansa Systems als Unternehmen „erzählen“. Das machen wir als Team und aktuell durch unsere sympathische Kampagne „We’re into IT“.

L+L: Du hast einmal gesagt, dass sich die Arbeit im Marketing sich gar nicht so sehr vom Schreiben unterscheidet …

C.S.: Schreiben bedeutet immer, in Bildern zu sprechen. Gerade im „trockenen“ B-to-B-Umfeld ist dies wichtig, weil man abstrakte Themen dem Kunden nur dann gut erklären und verkaufen kann, wenn man sie bildhaft schildert. Beim Schreiben ist dies ganz ähnlich: Hier ist der Leser der „Kunde“ – und man muss sich ständig fragen: Ist das für ihn verständlich? Braucht er diese Handlung? Wie viel kann ich ihm zumuten? Ich muss mich also permanent in den Kunden hineinversetzen.

L+L: In deinem Roman Stumme Angst wird eine Frau von ihrem Ex-Freund entführt, in Wonderland wird eine Urlaubsreise zu einem mörderischen Reality Game. Was reizt dich am Genre Thriller?

C.S.: Es reizt mich, meine Figuren an ihre Grenzen zu führen und zu skizzieren, wie sie sich verhalten. Werden sie vielleicht selbst zu Tätern? Verwischen bei ihnen die Grenzen zwischen Gut und Böse? Entdeckt man bei den Protagonisten menschliche Abgründe wie bei Patricia Highsmiths Der talentierte Mr. Ripley? Am liebsten schreibe ich über das Verschwinden von Menschen, fast in jedem meiner Bücher. Dabei bevorzuge ich die Ich-Perspektive als Stilmittel, dann ist der Leser sehr dicht an den Gedanken und Emotionen der Figuren dran.

L+L: Dein Buch Dreivierteltot erscheint 2020 und ist ein Jugendbuch. Auch dort gibt es eine Leiche. Kannst du uns ein bisschen spoilern?

C.S.: In der Geschichte wandert meine Protagonistin Kim den schottischen West Highland Way entlang. Obwohl sie ihr Freund Jon begleitet, schmeißt sich ein anderer Typ an sie ran und stalkt sie regelrecht. Außerdem passieren eine Menge unheimlicher Dinge, ­inklusive Leichenfund. So wird aus einer eher beschaulichen Wanderung der reinste Horrortrip.

L+L: Auch mysteriöse WhatsApp-Nachrichten spielen eine Rolle. Muss ein Jugendroman heute „digital“ sein?

C.S.: Nicht unbedingt. Es geht eher darum, die Figuren authentisch zu zeichnen. Und da wir alle WhatsApp nutzen, gehört das zum Alltag dazu. Diese Digitalisierung hat aber das Leseverhalten der Jugendlichen verändert. Man muss die Handlung sehr schnell vorantreiben, weil Jugendliche kurzweilige Medien wie Instagram und YouTube gewöhnt sind. Als Autor von Young-Adult-Literatur kann man heute nicht mehr einen Charakter gemächlich aufbauen und erst ab Seite 100 so richtig mit der Handlung zu starten.

L+L: Wie funktioniert das überhaupt, einen Roman zu schreiben? Denkst du dir erst eine Geschichte aus oder entsteht die Geschichte beim Schreiben?

C.S.: Ich fange immer mit einem Bild an, das ich vor Augen habe. In Wonderland beispielsweise war das der Park. Meistens weiß ich auch schon, wie die Geschichte endet. Das „Dazwischen“ konzipiere ich meistens auf zwei Ebenen: mit einem „geheimen“ Erzählstrang, in dem die ganze Geschichte offenbart wird, und einem weiteren aus der Sicht der Hauptfiguren. Und diese beiden Stränge verflechte ich dann nach und nach immer enger miteinander.

L+L: Welche Bedingungen sind für das Schreiben ideal?

C.S.: Wenn ich mich einmal für eine Geschichte entschieden und sie gut entwickelt habe, schreibe ich sie auf. Egal, ob ich auf einer einsamen Insel sitze – die für mich optimale Bedingung – oder meine drei Kinder um mich rumspringen. Wenn eine Story gut konzipiert ist, habe ich ja ein festes Fundament. Und dann „fließt“ die Story.

L+L: Hast du Vorbilder? Welche Bücher anderer Autoren haben dich beeindruckt?

C.S.: Kürzlich habe ich Mein Ein und Alles von Gabriel Tallent gelesen, das hat mich sehr berührt. Oder auch Die Erfindung des Lebens von Hanns-Josef Ortheil. Im Thriller-Bereich finde ich Andreas Pflüger sehr gut, vor allem sprachlich.

L+L: Welche Art von Buch möchtest du noch gerne schreiben?

C.S.: Ich schreibe gerade einen All-Age-Thriller. Die Hauptfigur würde ich gerne als Kommissarin aufbauen. Und irgendwann kann ich mir auch noch ein anderes Genre vorstellen, zum Beispiel etwas in Richtung SciFi.

L+L: Welche Hobbys hast du außerdem? Was interessiert dich besonders?

C.S.: Ich habe in Wiesbaden eine super Ballettschule gefunden, die Kurse für Erwachsene anbietet. Als Kind habe ich recht intensiv Ballett gemacht und konnte ganz gut daran anknüpfen.

 

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