11.09.2017
Frank Müller

NEBENBEI

EIN SCHRANK SOLLST DU SEIN

Da stark stark segmentierte Zielgruppen schwer über Standardkanäle zu erreichen sind, findet Ambient Media den Weg in ihren direkten Lebensraum. Zum Beispiel ins Fitnesstudio.

 

Muskeln und gebräunte Haut passen vortrefflich zusammen. Die Muckis zeichnen sich besser ab. Das ganze Bauwerk wirkt massiver. „Braun macht breit“, lautet ein bekannter Merksatz aus der Szene. Die Headline auf einer Werbung für MAN Oatcake, der Kalorienbombe für den Muskelaufbau, trifft eine ganz ähnliche Aussage.

Der Aufkleber mit dem Spruch „Was Neues für die breite Masse“ findet sich an den Türen der Spinde einer großen Fitnessstudiokette. Er bildet die Bedürfnisse der Zielgruppe geradezu perfekt ab. Denn sich „breit“ und „massig“ durch seine Umwelt zu schieben, ist das vorrangige Ziel des modernen Eisenhans, der hofft, dass ihm aus den flächendeckenden Wandspiegeln irgendwann das Bildnis des Dwayne „The Rock“ Johnson entgegenblickt.

Allein der demokratische Dopplelsinn der „breiten Masse“ fällt gar nicht weiter ins Gewicht.

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