02.02.2018
Ilona Liebchen

NEBENBEI

GROWTH AND COMFORT DO NOT COEXIST

Frauenportraits: Virginia „Ginni“ Rometty, geb. 1957, CEO von IBM seit 2012. Studium der Elektrotechnik und Informatik. Mitarbeiterin bei IBM seit 1981.

 

2012 übernahm Ginni Rometty den Vorstandsvorsitz von IBM. In der über 100-jährigen Geschichte des Unternehmens ist sie die erste Frau an der Spitze von Big Blue.

Schon 2014 änderte sie die Strategie des Vorgängers (den Gewinn je Aktie binnen 5 Jahren zu verdoppeln) in die Idee, IBM neu zu erfinden. Sie denkt in langfristigen Konzepten, entgegen der bisherigen, auf schnelle Gewinnmaximierung konzentrierten Strategie.

„Man muss Altes loslassen können, dann hat man die Freiheit, sich langfristig neu zu erfinden.“

Für sie heißt eine Strategie zu verfolgen, permanent zu adaptieren und auch unterwegs noch Veränderungen vorzunehmen.

Man braucht Leidenschaft.

Sie machte IBM zu einem cloudbasierten, lösungsorientierten Unternehmen. Klassische Geschäftszweige wurden abgeworfen, Milliarden in neue Technologien investiert. Nach wie vor ist der Profit riesig, 13 Milliarden Dollar in 2016, obwohl das Unternehmen in 20 Quartalen in Folge Umsatzrückgänge hinnehmen musste. Rometty beibt ihrer Linie treu, sie versteht, dass ein Weg zu neuen margenstarken Geschäften mit kurzzeitigen schmerzhaften Einschnitten einhergeht. „Man braucht Leidenschaft. Und man muss Klarheit haben. Aber das Schwierigste ist das Durchhalten.“

Trotz dieser Entwicklung wurde ihr Gehalt auf 33 Millionen Dollar aufgestockt, Platz 8 unter den bestbezahlten CEOs der USA.

Die acht bestbezahlten Vorstandschefinnen

Die neuen Geschäftsfelder belaufen sich auf fast 34 Milliarden Dollar Umsatz, wachsen um 13 % bis 14 % jährlich und machen inzwischen 42 % des Unternehmens aus.

Unter ihrer Führung wurde Design Thinking weltweit in den Büros von IBM eingeführt, in allen Unternehmensabteilungen agile Workflows installiert, Partnerschaften mit Apple, Slack etc. eingegangen und so für die 380.000 Mitarbeiter eines der modernsten Arbeitsumfelder weltweit geschaffen.

Und sonst?

Die weibliche Vorstandchefin trat 2012 auch außerhalb ihres Unternehmens eine Diskussion los. IBM ist einer der Hauptsponsoren beim US-Masters und erhält für seine obersten Angestellten quasi automatisch das grüne Mitgliedsjackett des sehr konservativen Augusta National Golfclubs, der eine Mitgliedschaft für Frauen seit 80 Jahren kategorisch ablehnte und diese Attitude eigentlich beibehalten wollte. Eigentlich. 2012 wurde die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice als erstes weibliches Mitglied zugelassen.

Wie viele weibliche Führungskräfte redet Rometty nicht oft über Gender-Themen. Sie sieht sich in einer Vorbildfunktion für Frauen und Mädchen. Persönliches Wachstum und Bequemlichkeit schließen sich für sie gegenseitig aus. „Menschen müssen lernen, sich mit Unwohlsein wohlzufühlen.“ In dem Sinne, dass Menschen Risiken eingehen müssen, ihre Komfortzone verlassen sollten, um sich zu entwickeln.

Ihre eigene Biografie ist voll von solchen Entscheidungen. Sie lehnte eine immense Beförderung ab, da sie nicht sicher war, ob sie dafür bereit wäre, dachte, sie würde noch ein paar Jahre brauchen, um sich vorzubereiten und mehr Sicherheiten zu gewinnen. Nachdem ihr Ehemann sie am Abend fragte, ob sie denke, dass ein Mann genauso reagieren würde, nahm sie am nächsten Tag das Jobangebot an.

 

Quellen:
Harvard Business Manager, 09/2017
Spiegel Online 05/2015
Frankfurter Rundschau 10/2011

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