30.09.2019
Doreen Grün

NEBENBEI

WARUM UHREN IMMER LäCHELN

Der doppelbödige Aphorismus, dass die schönsten Uhren zeitlos sind, hat mit der Realität wenig zu tun. Denn betrachtet man die Zeitmesser in Anzeigen, Internetshops oder Schaufenstern, ist man überrascht.

 

Egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit, ob in Frankfurt, London oder Paris: Alle Uhren zeigen die gleiche Zeit. Auf die Minute genau. 10:10 Uhr scheint die Uhrzeit aller Uhrzeiten zu sein. Das New York oder der Mount Everest unter den Uhrzeiten. Unverrückbar beharren Minuten- und Stundenzeiger auf ihrer Position. Handelt es sich dabei um puren Zufall oder steckt möglicherweise Vorsatz dahinter?

Eine pragmatische Erklärung für diese Zeiteinstellung liefert Andrew Block, ehemaliger Vizepräsident des Uhrenhandels Tourneau. Laut Block rahmen die Zeiger so die 12 optimal ein und geben den Blick auf das unter ihr prangende Logo unverstellt. Gleichzeitig werden andere Details, wie beispielsweise die Datumsanzeige, nicht verdeckt.

Und noch ein anderer Uhren-Sachverständiger meldet sich zu Wort: Glaubt man nämlich dem Autor Florian Coulmas, hat der Uhrenhersteller Seiko in den 60er Jahrenn festgelegt, dass alle Ziffernblätter exakt auf 10 Uhr und 8 Minuten stehen sollten. So erinnere diese Zeigerstellung an ein lächelndes Gesicht, das unbewusst die Kaufentscheidung positiv beeinflussen soll.

Ob sich Konsumenten wirklich von dem auf Zifferblättern arrangierten Smiley beeinflussen lassen? Dies hat eine Studie der Universität Jena aus dem Jahr 2007 untersucht. Das Ergebnis: Bei einer Testgruppe von 115 Personen konnte allerdings keine Präferenz festgestellt werden – egal, ob die Uhr um 10:10 Uhr lächelt oder sich um 8:20 Uhr in einen Trauerkloß verwandelt.

Das alles gilt natürlich nur für die zu Präsentationszwecken zur Immobilität gezwungenen Zeitanzeiger. Unterdessen lassen ihre in Gebrauch genommenen Kumpel munter die Zeiger kreisen – dank Handaufzug, frischer Battrie oder von der Leine gelassenem Automatikwerk. Jetzt gerade, kurz vor der Geisterstunde, hält mir die Uhr über dem Küchentisch trotzig ihr „Victory“-Zeichen entgegen. Auch das ist ein Statement.

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