30.08.2018
Liebchen+Liebchen

WILDER OSTEN

FLEISCH GEHT HALT IMMER

SchniPo, das ehrlichste Mittagsessen überhaupt. Bei Harald’s im Schlachthof gibt es den Klassiker in zahlreichen Variationen, aber immer frisch natürlich. Und als Beilage: den rauen Charme des Frankfurter Ostens.

 

Fechenheim. LKW an LKW, Büros, Verkehr, Stau. Mittendrin: Der Fleischgroßmarkt. Tief in der Nacht beginnt die schwere, körperliche Arbeit in den Zerlege-Betrieben. Geschlachtet werden darf hier nicht mehr. Eines erinnert aber noch daran: Der Name von Harald Sochors Imbiss auf dem Gelände des Großmarkts. „Harald’s im Schlachthof“ wirkt wie ein Kleinod inmitten der Industrie-Tristesse. Ein in typisch-herzlicher Kleingartenmanier liebevoll eingezäunter Bereich dient als Terrasse des kulinarischen Geheimtipps auf dem vor Hitze glühenden Asphalt-Parkplatz. Das Entrée: Ein Rosenbogen.

Schnitzel im Frankfurter Osten

Eins ist klar: Hierher kommt keiner aus Versehen. Harald’s muss man kennen – und auch lieben. Denn der ein oder andere kommt mit der blutverschmierten Fleischerschürze zum Mittag her und kaut genüsslich die Mittwochsspezialität: Frikadellen. Die schmecken genauso phantastisch wie Haralds Paradegericht: Schnitzel. 32 Variationen gibt’s. ZWEI.UND.DREISSIG. Ab sechs Uhr morgens kann reingehauen werden. Passend zur Arbeitszeit der Hauptkundschaft – den Metzgern.

Dafür ist am frühen Nachmittag aber schon Schluss. „Nach drei gibt’s nix mehr“, schimpft Harald, als ein Stammkunde kommt und nicht nur zu dieser unchristlichen Uhrzeit nach Mittagessen verlangt (ich mein, hallo?), sondern scheinbar auch sein Altglas hier abladen will. Den ganzen Kofferraum hat er voll mit Gläsern aus Haralds Theke. Die hat er nach und nach eingepackt, wenn er ausnahmsweise mal einen Schoppen mit dem Schnitzelwirt getrunken hat. Jetzt will er sie zurückbringen und bei der Gelegenheit eben auch was Leckeres essen. Aber wer zu spät kommt, bekommt prompt eine glasklare Ansage: „Jetzt gibt’s nix mehr, heute säufste nur.“ Und schon steht der Jägermeister auf dem Tresen.

Herrlich ehrlich, der Harald. Und ein echter Gourmand. Die Schnitzelvariationen aus seiner Feder jedenfalls lassen keine Wünsche offen. „Texas“ mit Speck, Ei und Baked Beans zum Beispiel, „Athen“ mit Schafskäse, Peperoni und Oliven, oder „Mailand“ mit Frischkäse und italienischen Kräutern. Und ganz nebenbei sorgen die Namen der Kreationen auch für ein bisschen Urlaubsfeeling in der Frankfurter Siesta. Am besten läuft aber der Klassiker, sagt Harald: „Jäger. Mit Pilzen.“

Ziel: 500 Schnitzel am Tag

Dass der Hüne mit obligatorischer Jeans-Shorts, Print-Shirt und Strahle-Lächeln ausgerechnet dieses Gericht zu seiner Spezialität auserkoren hat, hat natürlich einen Grund: „Es geht ruckzuck. Und es schmeckt immer.“ So pragmatisch, so gut. Und genau deshalb hat sich Harald vor vielen Jahren, als er in die Gastronomie einstieg, gedacht: „Mir isses egal. Ich mach’ nur Schnitzel. Und ich will 500 am Tag verkaufen.“

Inzwischen sind es rund 200. Ganz schön ordentlich für die Lage am östlichsten Rand der Stadt. Harald hat eben einige Stammkunden: Bestimmt 80 Prozent der täglichen Gäste sind es, sagt er. Kein Wunder, so frische Schnitzel wie im Imbiss direkt am Schlachthof bekommt man selten. Und außerdem: Fleisch geht halt immer.

Harald’s im Schlachthof  • Carl-Benz-Straße 16 • 60314 Frankfurt am Main 

Homepage: http://faire-gastronomie.de/

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